Für „wertvoller als Gold“ hielt die berühmte Benediktineräbtissin Hildegard von Bingen (1098-1179) einen aus der Asche von Schlehenholz, Gewürzen, Honig und Wein hergestellten Trank für die Behandlung unterschiedlichster Krankheiten. In Anbetracht dessen was die moderne Forschung über die Inhaltsstoffe und Eigenschaften der verschiedenen Pflanzenorgane der Schlehe in den letzten Jahren zu Tage gefördert hat, scheint die berühmte Klostergründerin und Universalgelehrte mit ihrer hohen Wertschätzung der Schlehe recht gehabt zu haben. Auch die Bedeutung der Schlehe für die heimische Tierwelt kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Als einer der ersten Sträucher nach der Winterruhe beginnt die Schlehe zu blühen. Ihre weißen Blüten erscheinen von März bis April noch vor den Blättern. In der zu dieser Zeit noch sehr kargen Frühlingslandschaft sind die dicht mit Blüten bedeckten, an duftige weiße Wolken erinnernde Schlehensträucher weithin sichtbar. Sie ziehen dann nicht nur die Aufmerksamkeit der Menschen, sondern auch die der Insekten auf sich. Für die Honigbienen und viele aus ihrem Winterschlaf bzw. Winterstarre erwachenden Wildbienen, Schmetterlinge und Fliegen stellt die Schlehe eine wichtige Nektar- und Pollenquelle dar. An die 70 verschiedenen Insektenarten wurden beim Besuch der Schlehenblüten beobachtet.[28, 53, 86] Aufgrund der frühen Blütezeit machen der Schlehe nur wenige Pflanzen Konkurrenz. Von den Blättern ernähren sich die Raupen von über 100 Schmetterlingsarten.[28] Darüber hinaus dienen ihre Früchte im Herbst und Winter mehr al 20 Vogel- und 18 Säugetierarten als Nahrungsquelle.[28] Aufgrund ihrer dichten Verzweigung und der zahlreichen Dornen bietet sie insbesondere den heimischen Singvögeln Schutz und einen sicheren Nistplatz.
Die Blüten der Schlehen erscheinen im Frühling noch vor den Blättern und hüllen die Sträucher in eine weiße Wolke. Foto: M. Neitzke
Die Funde von Schlehenkernen an verschiedenen jungsteinzeitlichen Ausgrabungsstätten zeigen, dass die Schlehe bereits von den Menschen der Jungsteinzeit genutzt worden ist.[37] Über die Art der Verwendung der gesammelten Früchte kann nur spekuliert werden. Sicher waren die Früchte ein beliebtes Wildobst. Der Fund von durchbohrten Schlehenkernen legt nahe, dass die Kerne zur Herstellung von Schmuck benutzt wurden.[37] Darüber ob die Schlehen nur als Nahrung dienten oder auch Bestandteil von Heilanwendungen oder der Körperpflege waren, können wir nur Vermutungen anstellen. Denkbar wäre auch die Verwendung von Früchten zum Färben von Kleidung. Leinen und Wolle können mit einem Sud aus getrockneten reifen Schlehenfrüchten rot gefärbt werden. Sicher ist, dass die Schlehe, ähnlich wie der Weißdorn und die Heckenrose, aufgrund ihrer dornigen Bewehrung eine wichtige Schutzfunktion für die Menschen der Jungsteinzeit ausübte. Die frühen sesshaften, Ackerbau treibenden Menschen pflanzten die Schlehe zusammen mit Weißdorn und Heckenrosen um ihre Siedlungen herum, um sie vor wilden Tieren und den nicht fassbaren Gefahren zu schützen, galten doch die Hecken als magische Grenze zwischen der diesseitigen und der „Anderswelt“.[77, 78]
Die Schlehe ist eine alte Heilpflanze. Ihre Anwendung als Heilmittel ist seit dem Mittelalter, beispielsweise durch Hildegard von Bingen (1098 – 1179) schriftlich belegt. Auch heute hat die Schlehe noch ihren festen Platz in der traditionellen Medizin vieler Länder.[8, 14, 66] Die Liste der Beschwerden gegen die Schlehenblüten, -blätter und -früchte in der Volksmedizin Verwendung finden ist sehr lang. Wissenschaftlich anerkannt ist die äußerliche Anwendung der Früchte bei leichten Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum. Darüber hinaus wird die innerliche Anwendung der Blüten bei Magen-Darm-Beschwerden, Erkältungskrankheiten und Wassersucht sowie bei Nieren- und Blasenleiden empfohlen. Neuere Untersuchungen der Inhaltsstoffe und Wirkungen bestätigen nicht nur die Plausibilität vieler Anwendungen in der Traditionellen Medizin, sondern lassen die Schlehe auch als vielversprechenden Kandidaten für die Entwicklung neuer Medikamente, z.B. gegen antibiotikaresistente Keime, erscheinen.[69,83]
Die einzigartige Mischung an sekundären Pflanzenstoffen in den verschiedenen Pflanzenteilen, machen die Schlehe nicht nur zu einer wertvollen Heilpflanze, sondern auch zu einer begehrten Rohstoffquelle für die Kosmetik- und Körperpflegeindustrie. Zurzeit sind die Auszüge aus Blüten, Früchten und dem Holz in über 170 verschiedenen Reinigungs- und Pflegeprodukten enthalten.[30, 33]
Die meisten Menschen kennen die Schlehe als Lieferantin von exquisiten Nahrungs- und Genussmitteln. Weit verbreitet ist die Herstellung wohlschmeckender alkoholischer Getränke, so ist Großbritannien berühmt für seinen Schlehen-Gin (Sloe Gin), Spanien für den Pacharán, einen Schlehenlikör mit Anis und Deutschland für seinen Schlehenaufgesetzten.
Die Früchte der Schlehe dienen zur Herstellung wohlschmeckender Nahrungs- und Genussmittel, wie beispielsweise Schlehensaft (links), Likör (Mitte) und Gelee. Fotos: M. Neitzke
Längst hat die Herstellung von Brotaufstrichen aus Schlehenfürchten, von Schlehensaft und Schlehenlikör bzw. Schlehen Aufgesetzten die privaten Küchen verlassen. Diese traditionellen Produkte aus den Schlehenfrüchten werden inzwischen in größerem Maßstab auch von verschiedenen Nahrungsmittelherstellen produziert. Das Interesse der Lebensmittelindustrie geht aber weit über die Herstellung von Brotaufstrichen und Getränken hinaus. So gerät die Schlehe immer mehr als potentieller natürlicher Farbstoff und natürliches Konservierungsmittel in den Fokus der Nahrungsmittelindustrie, die zunehmend auf der Suche nach natürlichen Verbindungen als Ersatz für die synthetischen Zusatzmittel in ihren Produkten ist. Auch bei der Komposition und Entwicklung neuer Lebensmittelrezepturen nimmt die Bedeutung vor allem der Schlehenfrüchte immer weiter zu. Sie sollen helfen den Gesamteindruck, v.a. im Hinblick auf Geschmack und Geruch von neu entwickelten Produkten zu verbessern. Die nachgewiesenen gesundheitsrelevanten Eigenschaften der Früchte sollen zudem den Gesundheitswert der Lebensmittel zu erhöhen.[1, 3, 5, 19, 22, 24, 27, 38, 44, 45, 58, 63, 65, 68, 72, 74, 81, 82]
Auch die bisher wenig verwendeten Kerne, die in großen Mengen bei der Verarbeitung der Schlehenfrüchte anfallen, finden aufgrund des Gehaltes an wertvollen bioaktiven Inhaltsstoffe des Samenöls zunehmend Beachtung. Die große Ähnlichkeit in der Zusammensetzung der Fettsäuren mit dem in der Kosmetikindustrie hoch geschätzten Aprikosenkern- und Mandelöl könnten auch die Schlehensamen zu einer wertvollen Rohstoffquelle für Kosmetik- und Nahrungsmittelindustrie machen.[1, 2, 47] Eine Verwertung der Samen im Sinne der Kreislaufwirtschaft bietet sich an.
In Plantagen werden Schlehen lediglich in geringem Umfang angebaut. Der Bedarf von Schlehen in der Pharmaindustrie wird überwiegend aus Wildsammlungen aus osteuropäischen Ländern gedeckt.
Da die Schlehen von Insekten bestäubt werden, könnte sich der seit Jahrzehnten dokumentierte Insektenrückgang in Zukunft auch auf den Ertrag der Schlehen auswirken, mit Folgen für Tiere und den Menschen. Die große Bedeutung, die Insekten für die Bestäubung der Schlehe haben, konnte experimentell demonstriert werden. Versuche, in denen durch Ausschluss von Insekten eine Bestäubung durch diese verhindert wurde, zeigten eine signifikante Reduktion des Fruchtansatzes.[34] Es liegt an uns, dafür zu sorgen, dass die Quelle für das „pflanzliche Gold“ nicht versiegt.
Die komplexe Zusammensetzung der bioaktiven Inhaltsstoffen in den verschiedenen Pflanzenteilen machen die Schlehe zu einer begehrten einheimischen Pflanze in der Kosmetik- und Körperpflegeindustrie. Zurzeit werden die Auszüge aus Blüten, Früchten und dem Holz der Schlehe verwendet.[33] Diese sind in über 170 verschiedenen Reinigungs- und Pflegeprodukten enthalten.[30]
Am häufigsten werden Blütenextrakten aufgrund ihrer hautpflegenden, kräftigenden und parfümierenden Eigenschaften eingesetzt.[33] Zusätzlich wirken Auszüge aus den Blüten antioxidativ, entzündungshemmend und antimikrobiell. Diese Eigenschaften sind vor allem auf den hohen Gehalt an Polyphenolen (Phenolcarbonsäuren, Flavonoide) in den Blüten zurückzuführen. Als weitere wirksamkeitsbestimmende Inhaltsstoffe konnten verschiedene Terpene (Urolsäure, Oleanolsäure) und Phytosterole (β- und ɣ- Sitosterol) in den Blüten nachgewiesen werden, sowie geringe Mengen an ätherischem Öl.[46, 59, 60, 61, 62, 87] Urolsäure regt den Stoffwechsel und die Collagensynthese in der Haut an, wirkt entzündungshemmend und regenerierend. Auch die Oleanolsäure ist bekannt für ihre Anti-Aging-Eigenschaften. Von den Phytosterolen geht ebenfalls eine positive Wirkung auf die Haut aus.
Von großem Interesse für die Kosmetikindustrie ist auch die Entdeckung, dass Blütenextrakte der Schlehen eine Anregung der Melaninproduktion in den Hautzellen bewirken, wenn diese von außen auf die Haut aufgetragen werden. Diese Eigenschaft wird bei der Herstellung von Selbstbräunungscremes für die Haut ausgenutzt.[9]
Neben den Blüten sind auch die Früchte der Schlehen für die Kosmetikindustrie von Interesse. Bei der Verwendung der Früchte greift man auf die aus der Traditionellen Medizin bekannten Wirkungen auf die Haut zurück. Die zusammenziehende (adstringierend) und antimikrobiellen Eigenschaften der Früchte macht man sich in Produkten für die Mundpflege z.B. Zahnpastae zunutze. Bereits der berühmte Arzt und Botaniker Hieronymus Bock (1498 – 1554) empfiehlt Mundspülungen und Gurgeln mit Aufkochungen der Schlehe mit Wein bei „Geschwären des Mundes/ des Zahnfleisches/ des Halses und Zäpfchens“. Wässrige Extrakte von Früchten von Prunus spinosa besitzen eine antibakterielle Wirkung auf das Bakterium Streptococcus mutans, das als wichtigster Verursacher von Karies gilt. Es besitzt eine Reihe spezieller Eigenschaften, die ihm eine Hauptrolle bei der Entstehung von bakteriellen Plaques zuweisen.[23] Die antimikrobielle Wirkung betrifft auch Bakterien, die Hautinfektionen mit Blasen, Rötungen und Schwellungen, aber auch Abszesse hervorrufen können, wie das Bakterium Staphylococcus aureus.[16, 45, 65, 66, 68, 83]
Anders als die Blütenextrakte, die eine Bildung des Hautpigmentes Melanin fördern, hemmt ein Extrakt der Früchte die übermäßige Bildung von Melanin indem er das Enzym Tyrosinase, das an der Bildung von Melanin in der Haut beteiligt ist, hemmt. Eine Hemmung dieses Enzyms kann bei einer Störung der Melaninproduktion hilfreich sein, um eine vermehrte Pigmentierung (Hyperpigmentierung) der Haut zu vermeiden. Die Kosmetikindustrie ist daher auf der Suche nach natürlichen Hemmstoffen des Enzyms Tyrosinase, da synthetische Hemmstoffe immer auch unerwünschte Nebenwirkungen haben können.[75] Die Tyrosinase ist aber nicht das einzige Enzym in der Haut, das durch einen Fruchtextrakt der Schlehe in seiner Aktivität beeinflusst wird. Auch auf das Enzym Elastase, das für den Abbau des Elastins, einem wichtigen Strukturprotein unserer elastischen Fasern des Bindegewebes, verantwortlich ist, wurde eine hemmende Wirkung nachgewiesen.[42, 43]
Aufgrund der antioxidativen, entzündungshemmenden und tonisierenden Wirkung eigenen sich Extrakte aus den Schlehenfrüchten für Pflegeprodukte für empfindliche, trockene, strapazierte und reife Haut.[10, 12, 15, 16, 19, 21, 26, 42, 43, 51, 52, 57, 64, 65, 66, 67, 68, 83, 84] Wie in den Blüten sind auch in den Früchten zahlreiche Polyphenole als wirksamkeitsbestimmende Bestandteile nachgewiesen worden. Hinzu kommen in den Früchten die hohen Gerbstoffgehalte, die für die zusammenziehende Wirkung verantwortlich sind, sowie Fruchtsäuren und Vitamine, die für ihre positive Wirkung auf die Haut bekannt sind.
Von der Kosmetikindustrie bisher unterschätzt ist das Kernöl der Schlehe. Dies ist ein Schatz, der noch darauf wartet gehoben zu werden. Mit einem Ölgehalt von 53,5 % zeichnet sich die Schlehe durch den höchsten Ölgehalt aller wild wachsenden Prunus-Arten auf. Darüber hinaus weist das Kernöl der Schlehe eine einzigartige chemische Zusammensetzung auf, die die Schlehe zu einer vielversprechenden Kandidatin für die Kosmetik- und Nahrungsmittelindustrie macht. Es ähnelt in seiner Zusammensetzung den Ölen aus Aprikosen- und Mandelkernen, die in der Kosmetikindustrie aufgrund ihrer glättenden, elastizitätsfördernden und hautpflegenden Eigenschaften zum Einsatz kommen. Das aus den Kernen der Schlehe gewonnenen Öl ist nicht nur reich an ungesättigten Fettsäuren, sondern auch an Vitaminen der E-Gruppe.[1, 2, 47] Die dominierenden Fettsäuren sind die zweifach ungesättigte Linolsäure und die einfach ungesättigte Ölsäure. Je nach Herkunftsgebiet der Pflanzen schwankt der Gehalt der zwischen 17,7 und 64 %. Die für ihre entzündungshemmende Wirkung bekannte Linolsäure ist die häufigste Fettsäure in kosmetischen Präparaten. Die Ölsäure ist die wichtigste Vertreterin der einfach ungesättigten Fettsäuren. Die Ölsäure macht zwischen 29,4 und 72,7 % der Fettsäuren aus. Die Ölsäure schützt die Haut vor dem Austrocknen, wirkt beruhigend und lindernd auf die Haut und besitzt Anti-Aging-Eigenschaften. Darüber hinaus kann das Öl aus den Kernen der Schlehe aufgrund seiner hohen Gehalte an Vitamin E und an sog Phytosterolen als wertvolle Quelle für Vitamine aus der E-Gruppe und Phytosterolen angesehen werden. Vitamin E wirkt als Antioxidans und schützt die Haut vor aggressiven freien Radikalen. Darüber hinaus fördert es die Zellneubildung der Haut. Ebenfalls begehrt in der Kosmetikindustrie sind die sog. Phytosterole, von denen 11 verschiedene in dem Schlehenkernöl nachgewiesen werden konnten. Phytosterole, u.a. das ß-Sitosterol, das als häufigstes Phytosterol im Schlehenkernöl vorkommt, regenerieren die Barrierefunktion der Haut, beruhigen sie und wirken feuchtigkeitsspendend. Die phenolische Verbindung, die in höchster Konzentration in dem Schlehenkernöl gefunden wurde ist das Vanillin. Zusätzlich zu seinen aromatisierenden Eigenschaften, besitzt Vanillin eine antioxidative, entzündungshemmende und antibakterielle Wirkung. Es kann daher helfen Entzündungen und Hautreizungen zu lindern. Die bei der Herstellung von Schlehenmus und Schlehensaft in großen Mengen anfallenden und bisher als Abfall behandelte Kerne der Schlehen, stellen also eine interessante Rohstoffquelle für die Kosmetik- und Nahrungsmittelindustrie dar. Eine Verwertung der Samen im Sinne der Kreislaufwirtschaft bietet sind an.
Die Bedeutung der Schlehe in der Heilkunde
Die Schlehe hat ihren festen Platz in der traditionellen Medizin vieler Länder.[8, 14, 66] Während heute in der Pflanzenheilkunde nur die Anwendung der Schlehenfrüchte wissenschaftlich anerkannt ist, werden in der Volksmedizin sowohl die Blüten als auch die Früchte, Blätter und Zweige verwendet. Die Liste der Beschwerden gegen die die verschiedenen Pflanzenteile der Schlehe Verwendung finden ist sehr lang. So werden die Früchte vor allem zur Behandlung von entzündlichen Erkrankungen, Entzündungen der Atemwege und der Verdauungsorgane (Magenschwäche, Durchfall, Appetitlosigkeit), sowie der Harnwege (Niere, Blase) und zur Stärkung der körpereigenen Abwehrkräfte eingesetzt.[4, 8, 16, 71] Schlehenblüten kommen als harntreibendes und schwach abführend wirkendes Mittel zur Anwendung.[17, 46, 48] Ein Aufguss der Zweige wird in Spanien gegen Bluthochdruck angewendet. Die Rinde wurde u.a. gegen Wechselfieber (Malaria) eingesetzt.
Bemerkenswerterweise werden auch heute noch relevante Anwendungsgebiete in der Volksmedizin bereits in den ersten uns vorliegenden schriftlichen Quellen über die Verwendung der Schlehe als Heilpflanze, erwähnt. So empfiehlt die berühmte Äbtissin Hildegard von Bingen (1098-1179) Schlehen zur Behandlung von Gicht, Magenschwäche und Parasitenbefall. [48] Von Konrad von Megenberg (1309-1374) ist ein Mittel gegen Durchfall überliefert. Konrad von Megenberg (1309-1374) war ein deutscher Weltgeistlicher, der neben politischen, theologischen und moralphilosophischen Schriften auch naturwissenschaftliche Schriften verfasste. Sein „Buch der Natur“ wurde zu einem der bekanntesten Bücher seiner Zeit. Auch in den berühmten Kräuterbüchern der Renaissance der Ärzte und Botaniker Hieronymus Bock (1498 – 1554) und Leonhard Fuchs (1501- 1566) wird die Schlehe empfohlen.[4] Bock empfiehlt Mundspülungen und Gurgeln mit Aufkochungen der Schlehe mit Wein bei „Geschwären des Mundes/ des Zahnfleisches/ des Halses und Zäpfchen.“ Dieses Anwendungsgebiet wird heute auch von der offiziellen Pflanzenheilkund anerkannt. Allerdings haben sich die Empfehlungen für die Zubereitung entscheidend verändert. Auch der berühmte italienische Arzt und Botaniker Pietro Andrea Mattioli (1501- 1578) bzw. Matthiolus empfiehlt eine lokale Anwendung der Schlehe bei Zahn- und Halsgeschwüren. Allerdings kommen bei ihm noch Behandlungen eines Gebärmutter- (Uterus)- und Enddarmvorfalls (Rektumprolaps), von Augenentzündungen und Geschwüren (Ulzeration) hinzu. Zudem sollte sie die Empfängnis verhindern. Während die Behandlung von Entzündungen aufgrund der heute vorliegenden Untersuchungen als plausibel erscheint, klingen die übrigen Anwendungen doch recht abenteuerlich. Diese Beispiele zeigen, dass unsere Vorfahren, ohne Kenntnis der Inhaltsstoffe und der zugrunde liegenden Wirkprinzipien, die Schlehe zur Heilung oder Linderung vieler Beschwerden richtig angewendet haben.
Heute, viele Jahrhunderte später, können wir die Wirkungen der Schlehe in Experimenten überprüfen und aufgrund unserer Kenntnisse der Inhaltsstoffe und ihre Auswirkungen auf den menschlichen Körper erklären und die überlieferten Heilanwendungen einer Plausibilitätsprüfung unterziehen.
Wissenschaftlich anerkannt ist heute die äußerliche Anwendung der Früchte bei leichten Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum, die schon von den Ärzten der Renaissance empfohlen wurde.[4, 48, 70, 71] Darüber hinaus wird die innerliche Anwendung der Blüten bei Magen-Darm-Beschwerden, Erkältungskrankheiten und Wassersucht sowie bei Nieren- und Blasenleiden empfohlen.[48]
Die Wirkung der Früchte der Schlehen ist sowohl auf ihren hohen Gehalt an Gerbstoffen als auch an Polyphenolen zurückzuführen. Die Früchte der Schlehen wirken stark zusammenziehend (adstringierend) und werden daher zu den sog. Gerbstoffdrogen gerechnet. Gerbstoffe bilden mit den Eiweißstoffen der Haut unlösliche Komplexe. Auf der Haut und den Schleimhäuten führen Gerbstoffe zu einer oberflächlichen Verdichtung des Gewebes und der Ausbildung einer schützenden Membran. Dies führt in der Folge u.a. zu einer Herabsetzung der Wundsekretion, Minderung von Schmerz und Juckreiz, Entzündungshemmung, Stillung kapillarer Blutungen, Verhinderung der Aufnahme giftiger Zerfallsprodukte und eindringen von Krankheitserregern in tiefere Wundschichten.[71] Gerbstoffhaltige Pflanzenzubereitungen werden daher lokal verwendet zur Heilung von Wunden, kleineren Verbrennungen und Frostschäden, entzündeten Schleimhäuten im Mund- und Rachenraum und im Genital- und Analbereich sowie übermäßiger Schweißsekretion.[71]
Die ausgezeichnete zusammenziehende (adstringierende) Wirkung der Schlehenfrüchte ist für ihre erfolgreiche Anwendung bei Magen- und Darmerkrankungen, wie beispielsweise Durchfall und Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenbereich verantwortlich.[4, 66] Die Pektine haben eine beruhigende und entspannende Wirkung bei Magen-Darmentzündungen.[66] Hinzu kommt eine antibakterielle Wirkung auf Erreger von Magen- und Darm- sowie Atemwegserkrankungen. Auch gegen Erreger von Wundinfektionen u.a. gegen den gefürchteten Erreger des Gasbrandes Clostridium perfringens, zahlreiche antibiotikaresistente gefürchtete Krankenhauskeime und Erreger von Harnwegsinfektionen erwiesen sich Extrakte aus Schlehenfrüchten als wirksam. Die antimikrobielle Wirkung der Schlehenfrüchte ist vor allem auf die hohen Gehalte an phenolischen Verbindungen, wie Phenolcarbonsäuren, Flavonoiden und Gerbstoffen zurückzuführen. [15, 16, 23, 27, 40, 45, 65, 66, 68, 83] Die blauen Früchte von Prunus spinosa enthalten mindestens 400 verschiedene Polyphenole. Sie zeichnen auch für die antioxidative und entzündungshemmende Wirkung der Schlehenfrüchte verantwortlich.[10, 12, 15, 16, 19, 21, 26, 42, 43, 51, 52, 57, 64, 65, 66, 67, 68, 83, 84] Der einzigartige Gehalt der Schlehenfrüchte an bioaktiven Inhaltsstoffen und ihre antioxidative, entzündungshemmende und antimikrobielle Wirkung spielen ebenfalls eine Rolle bei der Förderung der Wundheilung durch einen Extrakt aus den Schlehenfrüchten. Unter seinem Einfluss konnte eine Verbesserung der Wundheilung durch Zellwanderung in das Wundgebiet gezeigt werden.[12, 80]
Die leichte harntreibende (diuretische) Wirkung lassen ihren Einsatz bei Nieren- und Blasenbeschwerden, die schwache abführende Wirkung bei Verstopfung plausibel erscheinen.
Den Blüten, die nur in der Volksheilkunde angewendet werden, werden eine schwach abführende, harn- und schweißtreibende Wirkung, sowie auswurffördernde Eigenschaften zugeschrieben. [4, 71] Die Anwendung erfolgt daher in Abführ-, Blasen- und Nieren- sowie Blutreinigungstees.[4, 20, 71] Die milde Wirkung empfiehlt die Anwendung von Tees mit Schlehenblüten vor allem bei Kindern, z.B. bei Verstopfung oder bei Erkältungskrankheiten mit Husten. Aufgüsse von Schlehenblüten werden auch vielfach bei Hautausschlägen von Kindern eingesetzt. Schlehenblüten haben außerdem eine tonisierende Wirkung auf die Haut. Man legte sie deshalb in Öl ein und stellt sich so ein hautfunktionsförderndes Massageöl her.[20]
Die Prüfung über potentielle Einsatzmöglichkeiten von Schlehenblüten bei chronischen Stoffwechselkrankheiten ergab Hinweise auf einen positiven Einfluss auf den Stoffwechsel bei einer Zuckererkrankung. In Experimenten mit Mäusen konnte eine Verbesserung der Glukosetoleranz sowie der Insulinsekretion und eine Verringerung der Serum-α-Amylase-Aktivität festgestellt werden.[13]
Als wirksamkeitsbestimmende Inhaltsstoffe wurden auch in den Blüten hohe Gehalte an Polyphenolen (Phenolcarbonsäuren, Flavonoide) nachgewiesen, des Weiteren verschiedene Terpene (Urolsäure, Oleanolsäure) und Phytosterole (β- und ɣ- Sitosterol), sowie geringe Mengen an ätherischem Öl.[46, 59, 60, 61, 62, 87]
Als Anwendungsgebiete in der Homöopathie werden Herzschwäche und Nervenschmerzen im Kopfbereich angegeben.
In der Gemmotherapie werden Knospenaufbereitungen der Schlehe besonders bei Schwächephase und hormonellen Störungen eingesetzt. Sie fördern die Rekonvaleszenz nach belastenden Krankheiten. Ihnen wird eine entzündungshemmende und stärkende Wirkung auf den Körper zugeschrieben.
Die Schlehe (Prunus spinosa) gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Sie ist eng verwandt mit unseren Kirschen, Pflaumen, Pfirsichen und Aprikosen und den im Mittelmeerraum heimischen Mandeln. Zusammen gehören sie in die Gattung „Prunus“.
Die Schlehe ist ein sommergrüner, sparriger, dichtverzweigten Strauch mit kräftigen Dornen, der zwischen 1 und 3 m hoch werden kann. Nur selten wächst er zu einem bis zu 6 m hohen, mehrstämmigen Baum mit dichter Krone heran. Die Rinde ist dunkelbraun bis schwärzlich. Diese dunkle Farbe der Rinde zusammen mit den zahlreichen Sprossdornen haben auch zu dem ebenfalls gebräuchlichen Namen „Schwarzdorn“ für die Schlehe geführt. Zwischen den verschiedenen Wuchsorten können beträchtliche Unterschiede im Erscheinungsbild auftreten.[11, 17, 76]
Die Zeichnungen des deutschen Naturforschers J. Sturm[79] (links) und des schwedischen Botanikers C. A. M. Lindman[41] zeigen Details des Blüten- und Fruchtaufbaus der Schlehe: Sturm: a) Blütenzweig, b und c) Blüten, d) Kelche und Fruchtknoten, e) Kronblatt, f) Staubgefäß, g) Fruchtknoten, h) Fruchtzweig, i) Frucht, k) Frucht geöffnet, l) und m) Stein; Lindman: 1) blühender Zweig, b) Frucht, 3) Frucht geöffnet, 4 Stein, längs, 5) Blütendiagramm
Die deutlich gestielten Blüten stehen einzeln oder zu zweit an den Enden von Kurztrieben.[76] Charakteristisch für die Blüten ist ihr leichter Mandelduft. Die Blüten der Schlehe zeigen den für Rosengewächse typischen Blütenaufbau aus jeweils fünf gleich großen strahlig angeordneten Kron- und Kelchblättern sowie zahlreichen Staubblättern.[25] Der Blütenboden weist eine becher- bzw. kelchförmige Gestalt auf. In seiner Höhlung steht der Fruchtknoten frei, d.h. die Ränder des Fruchtknotens sind nicht mit den Wänden des Blütenbechers verwachsen. Diese Stellung des Fruchtknotens wird in der Botanik als mittelständig bezeichnet. Ist der Fruchtknoten dagegen mit dem becherförmigen Blütenboden verwachsen, wie es bei dem Fruchtknoten des Apfels der Fall ist, spricht man von einem unterständigen Fruchtknoten.[35] Der Fruchtknoten wird nur von einem Fruchtblatt gebildet, dementsprechend weist er auch nur einen Griffel auf. Auf dem Rand des Blütenbechers stehen die 5 grünen Kelchblätter und die 5 weißen, bis zu 6 mm langen Blütenkronblätter sowie die zahlreichen Staubblätter mit ihren dunkelgelben Staubbeuteln.[25] Der Blütenbecher scheidet auf seiner Innenseite reichlich Nektar ab, der sich in dem Zwischenraum zwischen Fruchtknoten und Blütenbecherwand ansammelt. Der Fruchtknoten steht also, bildlich gesprochen, in dem Blütenbecher, wie in einer mit Nektar gefüllten Wanne. Der Zwischenraum zwischen der Wand des Fruchtknotens und der des Blütenbechers ist so breit, dass zahlreiche Insekten mit sehr unterschiedlich gebauten Rüsseln ihren Rüssel in der „Wanne“ versenken und den Nektar trinken können. Die Bandbreite reicht von den langen schlanken Rüsseln der Schmetterlinge über die kräftigeren und kürzeren Rüssel der Honigbiene sowie zahlreicher Wildbienen bis hin zu den Rüsseln der Fliegen mit einem breiten Saugpolster am Ende. Die leichte Zugänglichkeit des Nektars ist mit ein Grund für die hohe Artenvielfalt an Insekten, die im Frühjahr auf den Blüten der Schlehen beobachtet werden kann. Die Nektarproduktion ist so reichlich, dass es zu einer Auskristallisation des Nektars kommen kann.
Die Aufsicht auf die Blüten der Schlehe zeigt den strahligen (radiären) Blütenaufbau aus jeweils 5 Kron- und Kelchblättern. Typisch sind die zahlreichen Staubblätter sowie der mittelständige Fruchtknoten mit nur einem Griffel. Foto: M. Neitzke
Ein Blick von unten auf eine Blüte (oben) sowie ein Blütenlängsschnitt (unten) zeigen den becher- bzw. kelchförmigen Blütenboden. Deutlich ist in dem Längsschnitt der Blüte die freie Stellung des Fruchtknotens in dem Blütenbecher zu sehen. Foto: M. Neitzke
Unter bestimmten Bedingungen kann es zu einer Auskristallisierung des Nektars in dem Blütenbecher kommen. Deutlich sind die weißen Kristalle zwischen der Wand des Fruchtknotens und der Innenwand der Blütenbechers zu erkennen. Foto: M. Neitzke
Ein Blick von oben auf die Blüten zeigt deutlich den auskristallisierten Nektar in dem Blütenbecher einiger Blüten. Fotos: M. Neitzke
Für die Schmetterlinge (links: Admiral, rechts Pfauenauge) mit ihren dünnen Rüsseln ist es ein Leichtes den von der Wand des Blütenbechers in den Blütenbecher abgegebenen Nektar aufzusaugen. Fotos: M. Neitzke
Einen ähnlich langen und dünnen Rüssel wie Schmetterlinge (links: C-Falter) besitzt der zu den Zweiflüglern (Diptera) gehörende Große Wollschweber oder auch Große Hummelschweber (Bombylius major). Der Große Wollschweber kann seinen etwa 10 mm langen, starren Rüssel nicht zusammenrollen wie die Schmetterlinge oder Einziehen wie die Bienen, sondern muss ihn stets ausgestreckt tragen. Fotos: M. Neitzke
Auch bei der Honigbiene (links) und vielen Wildbienen (Gemeine Sandbiene (Andrena flavipes)) rechts) passt der Rüssel in den Zwischenraum zwischen der Wand des Blütenbechers und des Fruchtknotens, so dass der reichlich angebotene Nektar ohne Probleme aufgesaugt werden kann. Fotos: M. Neitzke
Selbst zahlreichen Schwebfliegen mit ihrem kräftigen Rüssel und dem breiten Saugpolster am Ende gelingt der Zugang zum Nektar der Schlehenblüten (links: Gemeine Keilfleckschwebfliege (Eristalis pertinax), rechts: Mittlere Keilfleckschwebfliege (Eristalis nemorum). Fotos: M. Neitzke
Charakteristisch für die Familie der Rosengewächse sind die zahlreichen Staubblätter, die den Insekten reichlich Pollen anbieten. Die Pollen werden entweder gesammelt oder an Ort und Stelle verzehrt. Bei ihrem Blütenbesuch pudern sich die Insekten mit dem gelben Pollen ein, der nun zur nächsten Blüte transportiert werden kann, um die Fremdbestäubung zu sichern. Um eine Selbstbestäubung zu vermeiden reifen die weiblichen Blütenorgane vor den männlichen, die Blüten sind also vorweiblich (protogyn).[39]
Die Honigbiene sammelt den Pollen und transportier ihn in gelben Höschen ins Nest. Fotos: M. Neitzke
Die Gemeine Keilfleckschwebfliege verzehrt den Pollen an Ort und Stelle. Bei ihrem Blütenbesuch hat sie sich über und über mit dem gelben Pollen aus den geöffneten Staubbeuten der weit aus den Blüten ragenden Staubblättern eingepudert. Dieser kann nun auf eine andere Blüte übertragen werden. Die Fremdbestäubung ist gesichert. Fotos: M. Neitzke
Nach erfolgreicher Befruchtung bildet sich aus dem Fruchtknoten eine kugelige, schwarz-bläulich gefärbte Frucht mit einem Durchmesser von 10 -15 mm.[76]. Alle übrigen Blütenteile fallen ab, auch die Reste des Blütenbechers. Das gelblich-grüne Fruchtfleisch entwickelt sich also wie bei den Pflaumen, im Gegensatz zu Äpfeln und Birnen, aus der Wand des Fruchtknotens. Bei den Äpfeln und Birnen wird das Fruchtfleisch dagegen aus dem Blütenbecher gebildet. Die blauen Früchte sind mit einem weißen Wachsüberzug versehen, so dass der Eindruck entsteht, als wären sie von einer feinen Reifschicht überzogen. Bei dieser Erscheinung spricht der Botaniker auch von „bereift“.
Die Frucht der Schlehe ist eine kugelige Steinfrucht von bläulicher Farbe, die weißlich bereift sind. Foto: M. Neitzke
Die Wand des Fruchtknotens differenziert sich während der Fruchtreife zu 3 verschiedenen Schichten. Die äußere häutige Schicht ist durch Farbstoffe (Anthocyane) blau-schwarz gefärbt. Die darunterliegende mittlere Schicht bildet das Fruchtfleisch. Sie ist fleischig und von gelblich-grünlicher Farbe. Von allen drei Schichten ist diese Schicht am stärksten entwickelt. Die innerste Schicht wird steinhart und umschließt den von der Samenschale umgebenen Samen. Alle drei bilden den Kern. Die Frucht der Schlehe ist also eine Steinfrucht. Die Schlehenkerne enthalten das Blausäureglykosid Amygdalin. Dieses wird im Körper zu Blausäure umgewandelt.
Während der Fruchtreife bildet die Wand des Fruchtknotens 3 verschiedene Schichten aus, eine äußere häutige blau gefärbte, eine mittlere dicke, fleischige und eine innere steinharte Schicht, die den von der Samenschale umgebenen Samen umschließt. Foto: M. Neitzke
Die innerste steinhart gewordene Schicht der Fruchtwand (links) umgibt den von einer dünnen Samenschale umschlossen Samen (rechts). Die Frucht der Schlehe ist eine Steinfrucht. Fotos: M. Neitzke
Das Fruchtfleisch der Schlehen enthält neben Vitamin C, Zuckern, verschiedenen Fruchtsäuren und Pektin, vor allem Gerbstoffe, die für den bitteren Geschmack und die zusammenziehende Wirkung auf die Mundschleimhäute verantwortlich sind. Die herb-sauren Früchten regen zudem den Speichelfluss an. Deshalb kauten früher die Spinnerinnen die Früchte, um ausreichend Speichel für das Befeuchten der Spinnfäden zu haben.[20] Durch Frosteinwirkung wird der enzymatische Abbau der Gerbstoffe in Gang gesetzt, so dass zunehmend der Geschmack der anderen Bestandteile der Schlehenfrüchte in den Vordergrund tritt. Die Schlehe gehört zu den sog. Winterstehern.[18] Das sind Pflanzen, deren Früchte und Samen auch im Winter an den Pflanzen hängen bleiben. Sie stellen dadurch ein wichtiges Winterfutter für unsere einheimische Tierwelt dar.
Die zunächst sehr herben Früchte schmecken nach den ersten Frösten etwas milder, da durch die Frosteinwirkung der enzymatische Abbau der Gerbstoffe in Gang gesetzt wird, die für den bitteren Geschmack und die zusammenziehende Wirkung verantwortlich sind. Für unsere Vögel und einige Säugetiere stellen sie ein wichtiges Winterfutter dar, da sie bis weit in den Winter an den Sträuchern verbleiben. Fotos: M. Neitzke
Die mattgrünen, spärlich behaarten, nur kurze gestielten Laubblätter sind ungeteilt, 2-5 cm lang und 1-2 cm breit. Ihre Form ist länglich-eiförmig bis elliptisch oder auch lanzettlich. Das obere Ende ist spitz bis stumpf während der Blattgrund keilförmig verschmälert ist. Der Rand ist fein gesägt bis gekerbt. Die Blätter sind wechselständig, häufig jedoch büschelig angeordnet.[76]
Die ungeteilten, länglich-eiförmigen Blätter sind wechselständig angeordnet. Foto: M. Neitzke
Die Äste der Schlehe sind reichlich mit in Dornen endigenden Kurztrieben besetzt.[76]
Die Sprossdornen der Schlehe sind verholzte Kurztriebe mit einem spitzen Ende. Fotos: M. Neitzke
Die Schlehe (Prunus spinosa) stellt während der längsten Zeit des Jahres eine wertvolle Futterquelle für unsere heimische Tierwelt dar. Die bereits gegen Mitte bzw. Ende März erscheinenden Blüten sind eine wichtige Nahrungsquelle für die aus ihrer Winterruhe bzw. Winterstarre erwachenden Insekten und ermöglichen ihnen einen erfolgreichen Start in ein neues Insektenjahr.
Zu Beginn des Frühlings ist das Angebot an nektar- und pollenspendenden Blüten für die ihre Winterquartiere verlassenden Insekten noch rar. Mit ihrem weißen Blütenmeer und dem geballten Nahrungsangebot liefert die Schlehe die besten Startbedingungen für viele Insekten in ein neues Insektenjahr. Foto: M. Neitzke
Wenn die Insekten im Frühjahr bei steigenden Temperaturen ihre geschützten Winterquartiere verlassen, haben sie ihre begrenzten Reserven aufgebraucht. Um nach der langen Winterpause wieder zu Kräften zu kommen, müssen sie sich umgehend auf die Suche nach geeigneter Nahrung begeben. Hierbei sind sie auf früh blühende Kräuter und Sträucher in unserer Landschaft und den Gärten angewiesen. Die Schlehe ist mit ihrer reichlichen Produktion an Nektar und dem üppigen Pollenangebot eine willkommene und wichtige „Tankstelle“ für die dringend benötigte Energie. Vitamin- und eiweißreicher Pollen wird für eine rasche Entwicklung der Eierstöcke (Ovarien) benötigt, die nach der Überwinterung noch klein sind.[29] Auf einer vierstufigen Skala wird den Blüten der Schlehe ein Nektarwert von „3“ und ein Pollenwert von „2“ zugeordnet. Zudem ermöglicht der Bau der Blüten Insekten mit sehr unterschiedlicher Rüssellänge den Zugang zum Nektar, so dass eine Vielzahl verschiedener Insektenarten von dem Nektarangebot der Schlehenblüten profitieren kann. Über 60 verschiedene Insektenarten wurden bei dem Blütenbesuch der Schlehe beobachtet – und keines ähnelt dem anderen - weder im Aussehen noch im Verhalten. Die nach den Blüten erscheinenden Blätter bilden die Nahrung für Raupen von über 100 Falterarten. Wenn schlussendlich im Herbst die dunkelblauen Früchte reif werden, sind über 20 Vogel- und 18 Säugetierarten die Nutznießer.[28, 53, 86]
Zu den auffälligsten Besuchern der Schlehenblüten gehören sicherlich die Schmetterlinge. Bei den Schmetterlingsarten, die ab März nektartrinkend auf den Schlehenblüten beobachtet werden können, handelt es sich um Arten, die als erwachsene Tiere in Mitteleuropa überwintern. Von den etwa 190 in Deutschland vorkommenden Tagfalterarten sind dies nur 7 Arten, das Tagpfauenauge, der Große und Kleine Fuchs, der C-Falter, der Zitronenfalter, der Trauermantel und der Segelfalter. Alle anderen überwintern als Ei, Raupe oder als Puppe. Auch den Admiral sieht man immer häufiger zeitig im Jahr als eifrigen Besucher der frühblühenden Sträucher. Der Admiral gehört zu den Wanderschmetterligen, die im Herbst aus Mitteleuropa über die Alpen nach Südeuropa fliegen. Im Frühling wandern sie dann wieder aus Südeuropa nach Mitteleuropa ein und tauchen ab Ende April/Anfang Mai wieder nördlich der Alpen auf. Bei diesen Wanderungen können sie schon mal bis zu 1000 km zurücklegen. Inzwischen überwintern aber auch viele Falter in Folge der Klimaerwärmung in Mitteleuropa, so dass sie zusammen mit den anderen Faltern auf den Schlehenblüten zu beobachten sind.
Die größte Insektengruppe, die von dem Nektar- und Pollenangebot der Schlehenblüten profitiert, ist die der Bienen. Neben der Honigbiene wurden 31 Wildbienen bei dem Blütenbesuch beobachtet.[86] Am stärksten vertreten sind mit 20 Arten die Sandbienen (Andrena spec.).[53, 86] Unter ihnen sind so auffällige Arten, wie die Fuchsrote oder Rotpelzige Sandbiene (Andrena fulva) mit ihrer leuchtend fuchs- bzw. rostrot bepelzten Oberseite von Brust und Hinterleib oder die zweifarbige Sandbiene (Andrena bicolor). Während die meisten Wildbienen (auch die Hummeln) als Einzeltiere den Winter überdauern und im Frühjahr erst wieder neue Völker gründen müssen, überwintern Honigbienen als ganzes Volk und können mit teilweise 100000-150000 überwinternden Mitgliedern schon im Frühjahr als ein ansehnliches Heer von Bestäubern starten.29] Im Unterschied zur Honigbiene und vielen Wildbienen überwintert bei den Hummeln nur die zukünftige Jungkönigin. Der Rest des Volkes stirbt im Herbst ab. Noch bevor sich die Jungkönigin in ihr Winterquartier zurückzieht, wurde sie bereits befruchtet und hat sich mit Pollen und Nektar einen Wintervorrat angefressen. Wenn sie dann im Frühjahr aus ihrem Versteck krabbelt, kann sie gleich mit dem Nestbau und der Gründung einer neuen Generation beginnen, ohne wertvolle Zeit mit einer Partnersuche und einer Balz zu verlieren. Die Wiesenhummel (Bombus pratorum) und die Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris) gehören zu den ersten Hummelarten, die im Frühjahr ihre Winterquartiere verlassen. Ihnen folgen die Ackerhummel (Bombus pascuorum) und die Gartenhummel (Bombus hortensis). Später im Frühjahr, etwa im April erscheinen dann auch, die wegen ihres Verhaltens als „Kuckuckshummeln“ bezeichnete Hummelarten, wie etwa die Keusche oder Gefleckte Kuckuckshummel (Bombus vestalis). Kuckuckshummeln bauen kein eigenes Nest, sondern schmuggeln ihre Eier in fremde Nester und lassen ihre Larven von den Arbeiterinnen ihrer Wirtin aufziehen. Sie müssen also erst die Nestgründung ihrer Wirtin und das Schlüpfen der Arbeiterinnen abwarten, bevor sie ihre Eier ablegen können.[29] Die früh im Jahr fliegenden Sandbienenarten überdauern den Winter als geflügelte Insekten in den Brutzellen. So stehen sie bereit, um gleich an den ersten warmen Frühlingstagen ihre Nester zu verlassen, sich zu paaren und eine neue Generation zu begründen. Neben den Bienen sind aber auch die Fliegen, die ebenfalls eine wichtige Bestäuberfunktion ausüben, unter den Blütenbesuchern der Schlehe gut vertreten.
Seinen Namen hat das Tagpfauenauge den auffälligen schwarz, blau und gelb gefärbten Augenflecken auf den rostroten Vorder- und Hinterflügeln zu verdanken.[6] Das Tagpfauenauge überwintert als erwachsener Schmetterling (Imago). Im Frühjahr verlassen diese ihre geschützten Winterquartiere und suchen frühblühende Pflanzen, wie die Schlehe für eine stärkende Nektarmahlzeit auf. Fotos: M. Neitzke
Mit einem geschickten Schlenker versenkt das Tagpfauenauge seinen etwa 17 mm langen Rüssel in dem mit Nektar gefüllten Blütenbecher einer Schlehenblüte. Fotos: M. Neitzke
Der Admiral, der leicht an den auffallenden roten Binden auf den dunklen Vorder- und Hinterflügeln zu erkennen ist, gehört zu den Wanderschmetterligen. Infolge der Klimaerwärmung überwintern aber auch zahlreiche Individuen in Mitteleuropa. Sie überdauern die kalte Jahreszeit in frostgeschützten Schlupfwinkeln, wie etwa Baumhöhlen aber auch Gebäuden. Wenn sie im Frühjahr durch die steigenden Temperaturen aus ihrer Winterruhe geweckt werden und die Winterquartiere verlassen, sind sie auf energiereiche Nahrung, wie den Nektar der früh blühenden Schlehe angewiesen. Fotos: M. Neitzke
Nicht weniger geschickt als das Tagpfauenauge trifft der Admiral mit seinem 13-14 mm langen Rüssel das Innere der Schlehenblüten. Fotos: M. Neitzke
Der C-Falter überwintert als erwachsener Falter in Deutschland. Die Tiere überwintern oft im Freien unter Ästen, an Baumstämmen oder unter Efeublättern. Auch sie nutzen nach dem Erwachen aus der Winterstarre die frühblühende Schlehe als Nektarquelle. Fotos: M. Neitzke
Der Kleine Fuchs (Aglais urticae) überwintert als Falter an geschützten Orten. Die orange-rötliche bzw. fuchsrote Grundfarbe, die ihm seinen Namen gegeben hat, ist nach einem langen Winter in seinem Überwinterungsquartier stark ausgebleicht, auch die Flügel sind stark zerschlissen. Es wurde Zeit für eine stärkende Nektarmahlzeit auf den Schlehenblüten. Fotos: M. Neitzke
Als eine der ersten Insekten tauchen im Frühjahr die Königinnen der Wiesenhummeln (Bombus pratorum) aus ihren Winterquartieren auf. Im englischen besitzen sie daher auch den volkstümlichen Namen „early bumblebee“, die “frühe Hummelbiene“. Die früh blühenden Schlehen stellen daher eine wichtige Nahrungsquelle für die Wiesenhummeln dar. Fotos: M. Neitzke
Die Königinnen der Dunklen Erdhummel (Bombus terrestris) gehören zusammen mit denen der Wiesenhummel (Bombus pratorum) zu den Hummeln, die im Frühjahr als erste ihre Winterquartiere verlassen. Bei entsprechender Bodentemperatur kann dies bereits im Februar der Fall sein. Wenn im März die Schlehenblüte beginnt, sind die Blüten eine wichtige Nektar- und Pollenquelle für die Königinnen, die mit der Gründung eines neuen Volkes begonnen haben. Die Königinnen der Erdhummel tragen den gelben Pollen der Schlehe in gelben Höschen in ihr Nest, das sie unterirdisch in Mäuse- oder Maulwurfslöchern angelegt haben. Fotos: M. Neitzke
Auch die befruchteten Jungköniginnen der Ackerhummel (Bombus pascuorum) beginnen nach Verlassen ihres geschützten Winterversteckes und einer stärkenden Nektarmahlzeit umgehend mit der Suche nach einem geeigneten Nistplatz. Fotos: M. Neitzke
Die Keusche oder Gefleckte Kuckuckshummel (Bombus vestalis) lässt ihre Larven von den Arbeiterinnen der Dunklen Erdhummel (Bombus terrestris) ausbrüten.[7, 29] Das Weibchen ähnelt im Aussehen ihrer Wirtin, allerdings fehlt ihr die 2. Helle Querbinde. Charakteristisch ist die gelbe Behaarung an den Außenseiten des dritten Hinterleibsabschnittes. Wie alle Kuckuckshummeln besitzt die Keusche Kuckuckshummel keine Körbchensammelhaare. Die erwachsenen Tiere ernähren sich von Pollen und Nektar einer Vielzahl von Blütenpflanzen. Fotos: M. Neitzke
Die Honigbiene nutzt das frühe Nektar- und Pollenangebot der Schlehe. Fotos: M. Neitzke
Die Fuchsrote oder Rotpelzige Sandbiene (Andrena fulva) ist mit ihrer leuchtend fuchs- bzw. rostrot bepelzten Brust und ihrem ebenso auffällig gefärbten Oberseite des Hinterleibes im Frühjahr eine der auffälligsten Wildbienen.[32, 52] Sie überwintern als geschlechtsreife Tiere und können so bei den ersten warmen Frühlingstagen ihre Überwinterungsquartiere verlassen. Sie fliegt von März bis Mai und bildet nur eine Generation pro Jahr. Neben zahlreichen anderen früh blühenden Arten werden sehr häufig auch die Blüten der Schlehen von ihr aufgesucht. Fotos: M. Neitzke
Die Rotfransige Sandbiene (Andrena haemorrhoa) ist dank der leuchten braun behaarten Brustoberseite und der orange gefärbten Endfranse unverwechselbar.[54] Sie fliegt in nur einer Generation von Anfang April bis Anfang Juni und ist im Frühjahr ein häufiger Gast der Schlehenblüten. Fotos: M. Neitzke
Die Zweifarbige Sandbiene (Andrena bicolor) ist überwiegend schwarz gefärbt. Die Weibchen zeichnen sich jedoch durch eine rotbraune Behaarung der Brustoberseite, rostgelbe Beinbürsten an den Hinterbeinen und lockere helle Binden and den Rändern der Hinterleibsabschnitte aus. Die zweifarbige Sandbiene kann in zwei Generationen fliegen. Die erste Generation kann von Mitte März bis Mitte Mai an den frühblühenden Kräutern und Sträuchern beobachtet werden. Den gelben Pollen der Schlehe hat sie in dicken gelben Höschen gesammelt und kann ihn nun in ihre Nester in selbstgegrabenen Hohlräumen eintragen. Fotos: M. Neitzke
Charakteristisch für die Gemeine/Gewöhnliche Erd- bzw. Sandbiene (Andrena flavipes) sind die goldgelb bis beige behaarten Beine, die bräunliche Behaarung von Gesicht und den Brustseiten sowie die deutlich abgesetzten, hellen Endbinden auf den Hinterleibsabschnitten. Die Gemeine Sandbiene fliegt in zwei Generationen, die erste von Ende März bis Ende Mai, die zweite von Anfang Juli bis Anfang September. Fotos: M. Neitzke
Die Hainschwebfliegen (Episyrphus balteatus) gehören zu den wenigen einheimischen Schwebfliegenarten, die die kalte Jahreszeit auch als erwachsene Tiere überstehen können. Sie überwintern in Verstecken im Laub oder Ritzen. An milden Frühlingstagen tauchen sie mit den ersten Frühlingsblühern oft in großer Zahl auf. Sie ernähren sich von Pollen (links) und Nektar (rechts) der Schlehe. Die Larven bevorzugen dagegen tierische Kost. Ihre Larven verzehren während ihrer Entwicklung zwischen 400 bis 700 Blattläusen. Fotos: M. Neitzke
Die erwachsenen Tiere der Kleinen Schwebfliege (Syrphus vitripennis) tauchen ab April an den Blüten der Schlehe auf. Sie ernähren sich von Nektar und Pollen. Um mit ihrem etwa nur 3 mm langen Rüssel an den Nektar zu gelangen, müssen sie schon mal einen Kopfstand machen. Ihre Larven ernähren sich von Blattläusen. Während ihrer Entwicklung können sie bis zu 1100 Larven verzehren. Fotos: M. Neitzke
Die Gemeine Keilfleckschwebfliege (Eristalis pertinax) überwintert als Puppe. Die erwachsenen Tiere fliegen dann bereits ab Februar bis in den November hinein. Sie sind an den Blüten aller früh blühenden Arten zu finden, wo sie sich von Nektar (links) und Pollen ernähren (rechts), wie hier an den Schlehenblüten. Die Larven leben in fauligem Wasser, aber auch Mist- und Komposthaufen, wo sie sich von abgestorbener organischer Substanz ernähren.[31] Fotos: M. Neitzke
Der Große Hummelschweber überwintert als Puppe. Die erwachsenen Tiere schlüpfen schon ab März und können dann vor den Blüten der früh blühenden Pflanzen schwebend (ähnlich wie ein Kolibri) beim Nektarsaugen beobachtet werden. Mit seinem dicht pelzig behaarten Körper erinnert er an eine Hummel, gehört aber anders als die Hummeln, zu den Zweiflüglern. Fotos: M. Neitzke
Auch die Familie der Echten Fliegen (Muscidae) ist unter den Blütenbesuchern der Schlehe vertreten. Fotos: M. Neitzke
Auch die Schmeißfliegen verlassen an den ersten warmen Tagen ihre Winterquartiere, um sich an dem Nektar der frühblühenden Pflanzenarten zu stärken. Fotos: M. Neitzke
Zu den Raupen, die sich mit Vorliebe von dem Laub der Schlehe ernähren, gehören die Raupen des Ringelspinners (Malacosoma neustria). Im Gegensatz zu dem unauffälligen hellgelben bis graubraunen, nachtaktiven Falters sind seine stark behaarten Raupen sehr auffällig bunt gefärbt. Die Grundfarbe der etwa 60 mm langen Raupen ist ein leuchtendes Hellblau. Auf dem Rücken verläuft ein dunkler orange gesäumter Längsstreifen, die Seitenstreifen schmücken jeweils ein schwarz gelber Längsstreifen. Der Kopf ist hellblau mit 2 schwarzen Augenflecken. Die Raupen ernähren sich aber auch vom Laub anderer Sträucher und Bäume. Fotos: M. Neitzke
Die Schlehe ist auch Wirtspflanze des Nierenfleck-Zipfelfalters. Im Gegensatz zu den meisten Schmetterlingsarten, deren Flügelunterseite im Vergleich zu der Oberseite der Flügel eher unauffällig gefärbt ist, ist beim Nierenfleck-Zipfelfalter (Thecla betulae) die Unterseite deutlich auffälliger. Während die Oberseite der Flügel von einem stumpfen dunkelbraun ist, zeigt sich die Unterseite der Flügel in einem leuchtenden Orange. Neben der Farbe ist auch die Musterung der Flügelunterseite in Form eines weiß eingerahmten, säbelzahnförmigen, dunkelorange braunen Feldes, besonders augenfällig. Nur die Weibchen tragen auf der Oberseite der Vorderflügel einen großen nierenförmigen orangefarbenen Fleck (rechts). Auffällig sind auch die nach außen gebogenen Zipfel am Rand der Hinterflügel, die zu dem deutschen Namen dieses Falters geführt haben. Fotos: M. Neitzke
Da die Zweige der Schlehen ein undurchdringliches, stacheliges Gewirr bilden, bieten sie vielen Vögeln Schutz vor Feinden und einen sicheren Nistplatz. (von links nach rechts: Kohlmeise (Parus major), Haussperling (Passer domesticus), , Dompfaff (Pyrrhula pyrrhula). Fotos: M: Neitzke
Da die Früchte der Schlehe bis weit in den Winter am Strauch verbleiben, sind sie eine wichtige Futterquelle für die Vögel im Winter, wenn das Nahrungsangebot knapp wird. Fotos: M. Neitzke
Aber auch kleine Säugetiere, wie das Eichhörnchen profitieren von den Früchten der Schlehe. Fotos: M. Neitzke